Wenn ein Zwiesel aufreißt
Viele große Bäume teilen sich irgendwo in zwei oder mehr Stämmlinge. Wächst diese Gabel eng zusammen, liegt zwischen den beiden Hälften oft eingeschlossene Rinde statt verbundenem Holz. So eine Stelle hält jahrzehntelang und reißt dann bei Nassschnee oder einer Böe auf. Was dabei herunterkommt, ist kein Ast, sondern ein halber Baum.
Das gleiche Bild bei langen, schweren Seitenästen über einem Carport, einem Spielplatz oder einer Zufahrt: Der Ast ist gesund, aber er ist zu lang und zu schwer für seinen Ansatz.
In beiden Fällen ist die Fällung selten die erste Antwort. Eine Kronensicherung verbindet die gefährdeten Teile miteinander, nimmt der Bewegung die Spitzen und hält im Fall der Fälle, was sonst herunterfiele.
Dynamisch halten, nicht festbinden
Der Regelfall ist die dynamische Sicherung. Ein dehnfähiges Gurtband wird hoch oben zwischen den Stämmlingen eingebaut, ohne den Baum anzubohren oder etwas hindurchzuziehen. Im Alltag hängt es locker, der Baum schwingt weiter wie vorher. Erst wenn die Bewegung zu weit geht, greift das Band und begrenzt sie.
Das ist wichtiger, als es klingt: Ein Baum, der sich bewegen darf, baut Holz genau dort an, wo er belastet wird. Eine Sicherung, die alles starr zusammenbindet, nimmt ihm diesen Reiz - er verlässt sich auf das Band und wird an der Stelle nicht stärker. Festgehalten wird deshalb nur dort, wo schon etwas eingerissen ist und sich nichts mehr bewegen darf. Dann kommt ein wenig dehnbares Seil zum Einsatz, und die Sicherung ist auf eine höhere Last ausgelegt.
Eingebaut wird weit oben, etwa auf zwei Dritteln der Höhe des gesicherten Stämmlings. Je höher der Ansatzpunkt, desto kleiner die Kraft, die das Band aufnehmen muss.
Wir bauen die Sicherung selbst ein, am Seil oder von der Arbeitsbühne aus, und arbeiten mit dem System Cobra. Welche Sicherung ein Baum braucht, hängt davon ab, was sie leisten soll. Soll ein Teil, das ausbrechen könnte, im Fall der Fälle oben gehalten werden, sichern wir statisch, sonst dynamisch. Wo es nötig ist, verbolzen wir auch: Eine Gewindestange durch den Zwiesel, rechts und links verschraubt, hält die Stämmlinge zusammen.
Warum die Behörde danach fragt
In Teltow-Fläming sind Bäume ab 60 Zentimetern Stammumfang geschützt, in Niedergörsdorf und sechs weiteren Gemeinden gilt zusätzlich eine eigene Baumschutzsatzung. Die Verordnung des Landkreises nimmt den Eigentümer dabei in die Pflicht: Geschützte Bäume sind zu erhalten, zu pflegen und vor schädigenden Einwirkungen zu schützen.
Für die Fällung heißt das: Geht von einem Baum eine Gefahr für Personen oder für Sachen von bedeutendem Wert aus, soll eine Ausnahme zugelassen werden - aber nur, wenn die Gefahr nicht auf andere Weise mit zumutbarem Aufwand beseitigt werden kann. Eine Kronensicherung ist genau so eine andere Weise. Wer eine Fällgenehmigung beantragt, ohne sie geprüft zu haben, bekommt die Frage zurück. Die Behörde kann außerdem ein Gutachten zum Zustand des Baums verlangen, und zwar auf Kosten des Antragstellers. Dafür vermitteln wir Sachverständige, mit denen wir zusammenarbeiten.
Umgekehrt spart eine Sicherung Geld, wo eine Genehmigung sonst mit einer Ersatzpflanzung oder einer Ersatzzahlung verbunden wäre. Der alte Baum bleibt stehen, und niemand muss drei junge dafür setzen.
Eine Sicherung ist keine einmalige Sache
Gurte und Seile altern durch Sonne, Frost und ständige Bewegung. Gleichzeitig wächst der Baum in die Dicke, sodass die Befestigung Spielraum braucht und nachgestellt werden muss. Deshalb gehört zu jeder Sicherung ein Wiedervorlagetermin: Bei der nächsten Baumkontrolle wird sie mit angesehen, nachgestellt und nach Ablauf ihrer Nutzungsdauer ersetzt.
Eine Sicherung, an die nach dem Einbau nie wieder jemand gedacht hat, ist im Zweifel schlechter als keine - weil sich alle auf sie verlassen haben. Die Nachkontrolle übernehmen wir oder zuverlässige Partner, mit denen wir fest zusammenarbeiten. Wenn Sie einen Baum mit einer alten Sicherung übernommen haben und nicht wissen, wann sie eingebaut wurde, sehen wir sie uns an.